Montag, 18. November 2024

 Sonntagsgeschichte: "Philemon und Baucis"

Göttervater Zeus und sein Sohn Hermes wandern inkognito als Flüchtlinge nach Phrygien, ein Land, wo die reichsten und mächtigsten Könige - Midas und Krösus und Co -  und sonst nur wohlhabende Menschen leben, es fehlt dort an nichts. Sie bitten um Asyl. Die Einwohner der prächtigen Hauptstadt gewähren den beiden jedoch keinen Einlass. Allein Philemon und seine Frau Baucis, ein altes Ehepaar, das in einer ärmlichen Hütte am Stadtrand lebt, üben Gastfreundschaft, nehmen die beiden auf und bewirten sie mit allem, was sie haben. Daran, dass sich der Weinkrug wundersamerweise immer wieder von allein füllt, erkennen sie ihre Gäste, denen sie gerade auch noch ihre einzige Gans opfern wollen. Das verwehren ihnen die Götter jedoch und fordern sie auf, ihnen zu folgen, um der Strafe für die ungastliche und unmenschliche Gesellschaft zu entgehen. Von der Höhe sehen Philemon und Baucis erschüttert, dass die Stadt in einem Sumpf versunken ist. Die Natur hat sich gerächt als Folge der Hybris einer egoistischen Menschheit! Nur ihr Häuschen ist geblieben. Von Zeus aufgefordert, ihre Wünsche zu nennen, bitten sie darum, zur selben Stunde zu sterben, so dass keiner von ihnen des anderen Grab schauen müsse. So geschieht es. Sie leben zufrieden im Einklang mit der Natur, bis sie eines Tages, vom Alter "gebeugt", in eine Eiche und eine Linde verwandelt werden, deren Äste und Zweige sich berühren. Diese Bäume sind unsterblich.

Aus der griechischen Mythologie: Text frei nach Ovid (33v-17n) - Bild von Peter-Paul Rubens (1622)

gemeinfrei - Ess